Saison 2025 - Teil 2

November 21, 2025

Den folgenden Bericht habe ich vor zwei Monaten auf der Heimfahrt vom Julian Alps Trail im Zug begonnen und sogar sehr weit gebracht. Doch zurück im Mama-Alltag und seit Oktober auch wieder zurück in meiner Trainertätigkeit am USI-Wien war dann nicht mehr daran zu denken, ihn weiter und fertig zu schreiben. Aber jetzt ;-)

Der letzte Wettkampfbericht hier auf meinem Blog datiert zurück auf April, doch auch danach war ich läuferisch nicht untätig. Für kurze postings auf diversen social media Kanälen hat es zwar gereicht, doch um in Ruhe einen ausführlichen Bericht zu verfassen, dafür fehlten Zeit, Muße und Geduld. Schon zwei Wochen nach meiner Teilnahme in Istrien stand ich an der Startlinie des Further Brückenlaufs. Diese Veranstaltung kann ich nur wärmstens empfehlen: sie ist mit viel Liebe organisiert, es gibt ganz tolle Startsackerl und dabei auch ein richtig feines Kinderprogramm. Hier wurde ich 2. Frau und war über 1min. schneller als bei meiner Teilnahme vor drei Jahren.

Wenn ich aber an das Frühjahr zurück denken, gerade an die Monate April und Mai, muss ich ehrlich sagen, dass ich hier meine Grenzen kennengelernt habe oder vielmehr gelernt habe, zu akzeptieren, dass man sie in manchen Lebensphasen selbst nicht beeinflussen kann. Einige Wochen hindurch waren meine Nächte mit den Kindern eine Katastrophe, oft hatte ich keine 2 Stunden Schlaf am Stück. Wenn ich mir dann eingebildet habe, übermüdet zu trainieren, bekam ich bald darauf von meinem Körper die Rechnung präsentiert: ich wurde krank oder hatte ärgere Magenkrämpfe, die mich außer Gefecht setzten. Sehr deutlich habe ich Anfang April beim IATF (Innsbruck Alpine Trailrunning Festival) gespürt, dass es nicht die beste Wettkampf-Voraussetzung ist, übermüdet in ein längeres Rennen zu starten. Zwar kam ich über die Marathon-Distanz gut ins Ziel, aber mir fehlte klar der richtige „drive" und Biss. Als 15. Frau kam ich nach 5:26 ins Ziel.

Beim Hochkönigman im Juni, an dem ich zum allersten Mal teilnahm, lief es schon besser. Die Strecke vom K3-Panoramatrail (34km/2100hm), für den ich mich entschieden hatte, machte seinem Namen alle Ehre - die Bergkulisse, Aussicht auf den Zeller See, Hochkönig etc. waren einfach genial, und das Wetter hat auch mit sehr sommerliche Temperaturen mitgespielt. Meine Wunschzeit (sub 4:30) hab ich mit 4:26 gut erreicht, bei einem sehr gut besetzten Rennen war ich mit meinem ranking als 10. Frau und immerhin beste Österreicherin zufrieden.

Ende Juni nahm ich noch am Veitscher Grenzstaffellauf (~50km/2000hm) teil und kam hinter Iris Unger als 2. Frau ins Ziel. Highlight sind bei diesem Event definitiv die hausgemachten Kuchen im Ziel und bei den Labestationen. Mittlerweile ist auch bekannt, dass es den Grenzstaffellauf in dieser Form das letzte Mal gegeben hat (hoffentlich bleibt die Kuchenverpflegung… ;-). Ab 2026 wird er zum Veitscher Skytrail.

Dann folgte ein 2monatige Sommer(wettkampf)pause, die ich allerdings gut nutzte, um mich auf meine zwei Großprojekte im Herbst, den Ötscher-Ultra-Marathon und die 80km beim Julian Alps Trail, vorzubereiten: Im Juli lag mein Trainingsfokus klar auf „Höhenmeter-Sammeln", in Dienten, Filzmoos und auf unserem Berg-Urlaub im Nationalpark Hohetauern. Da wir im August nochmals im flachen Tel Aviv waren, setzte ich hier den Schwerpunkt darauf, viele flache Kilometer zu sammeln und jeweils 3-4 Lauf-Tage hintereinander zu planen.

Dieser Plan ging gut auf: beim Ötscher-Ultra-Trail hatte ich die 80km quasi auf 3 Tage aufgeteilt. Der Ötscher-Ultra-Trail hat in dieser 3-Tages-Form zum zweiten Mal statt gefunden, bei der sog. Hero-Wertung läuft man am Freitag Nachmittag das Vertical (5km, 1100hm), am Samstag den Trail-Marathon (50km/2300hm) und am Sonntag den Skyrace (23km/2000hm). Natürlich muss man nicht alle drei Rennen laufen, sondern kann auch einzeln starten. Will man doch ein „Hero" werden, heißt es, die Kräfte gut einteilen und sich nicht am ersten Tag total vernichten. So schaffte ich es im Einzelranking zwar „nur" am 2. Tag auf’s Stockerl, konnte aber unterm Strich die Gesamtwertung für mich entscheiden.

Fr. Vertical: 5km/1140hm (7.Frau)

Sa. Marathon-Trail: 49km/2320hm (3. Frau)

So. Skyrace: 24km/1960hm (6.Frau)

3 Wochen nach dem Ötscher-Ultra-Trail erwartete mich eine tolle 80km-Strecke beim Julian Alps Trail, meinem letzten Ultra-Trail der Saison. Es war für mich und auch für meine Familie ein spannendes Projekt: denn zum ersten Mal bin ich ohne Mann und Kinder zu einem Groß-Event dieser Art gefahren. Events, zu denen man relativ schnell mit den Öffis anreisen kann, ziehen mich besonders an. Freitag früh ging es mit dem Zug und einer großen Jausenbox von Wien nach Villach, von Villach nach Jesenice und mit dem Bus nach Kranjska Gora. Abgesehen von einer Busverspätung von 20 min. verlief die Anreise sehr bequem und problemlos. Zum Glück hatte ich noch ein Quartier gefunden, das zum Event-Areal in fußläufiger Entfernung war (auch NACH einem 80km-Lauf..). Rasch erledigte ich das Einchecken und machte ich mich bei strahlendem Wetter auf den Weg, um meine Startnummer abzuholen, danach gleich weiter zum Pizza-Essen, noch mehr Essen einkaufen und dann ging es früh ins Bett zum Ruhen und Schlafen.

Das erste Mal seit Ewigkeiten wurde ich in der Nacht von keinem Kind geweckt. Allerdings hatte ich mir wenige Tage vorher noch eine Handmilchpumpe besorgen müssen. Als vermutlich mein Mann daheim um Mitternacht von einem weinenden Kind aufgeweckt wurde, wachte auch ich in Kranjska Gora auf, um meine „Milchpackerl" zu entleeren. Zur Erklärung für alle Männer und (noch-)nicht Mamas, die mit dem Stillen wenig oder keine Erfahrung habe: eine volle Brust nicht zu entleeren (durch das trinkende Kind oder eben durch eine Pumpe), kann sehr unangenehm und schmerzhaft sein und im schlimmsten Fall zu einem sog. „Milchstau" führen.

Im Großen und Ganzen war ich aber nach dieser pre-race Nacht herrlich ausgeruht und machte mich nach meinem Standard-Frühstück (Verival-Porridge mit Früchten) auf den Weg zum Shuttle-Bus nach Bled. Dieser Ort war für mich mit noch jungen Erinnerungen an unseren Istrien-Urlaub im Frühjahr verbunden. Auf der Rückreise hatten wir in Bled Pause gemacht, waren mit den Kindern zur Burg hinauf gewandert und hatten uns danach mit den typisch slowenischen Kuchen Kremsnita und Gibanica gestärkt. Für letzteres hatte ich leider keine Zeit vor dem Lauf, obwohl der Startschuss erst um 9:00 Uhr fiel, und das bei strahlendem Sonnenschein.

Immer wieder unfassbar ist für mich, mit welchem Tempo die Leute bei einem Ultra-Trail weglaufen (können). Wenn ich dran denke, wie lang wir unterwegs sein werden, hab ich schon keine Lust auf eine Vernichtungs-pace. Das Wetter war jedenfalls toll und die Strecke wirklich sehr schön, ganz oben auch recht technisch mit Geröllfeldern. Am meisten gezogen haben sich die 17km zwischen Labe 4 und 5, am Profil „scheinbar" bergab, ging’s nämlich zuerst mal ordentlich steil hinauf, dann ebenso steil hinunter auf einem kleinen Steig. Ab der Hälfte des Rennens hätte ich mir meine Tochter oder eine Pumpe gewünscht, obwohl ich auch in der Früh abgepumpt hatte. In den Rucksack einpacken wollte ich das Gerät dann aber doch nicht…

Sehr zufrieden war ich, bis zum Schluss im Flachen laufen zu können, hier ist die Versuchung oft groß, zu gehen zu beginnen, aber dann kommt man ewig nicht ins Ziel. Meine Verpflegung hab ich diesmal sogar ganz aufgegessen, dafür hat mir bei der vorletzten Labe ein Salamibrot (für mich sehr untypisch) wirklich sehr gut geschmeckt. Was esse ich bei einem Ultra? Immer dabei sind meine selbstgemachten Energiekugeln, die außerdem erfreulich wenig, nämlich Null, Verpackungs-Mist verursachen, Frucht-Quetschies (meine Lieblings-Sorte akutell: Erdbeer-Himbeer-Dinkel-Rote Beete von Fruchtbar) und ein, zwei Stück Strietzel (am liebsten von der Bäckerei Kasses aus dem Waldviertel, der hat eine super Konsistenz zum Essen während dem Laufen und zerbröselt kaum); auch dabei sind Magnesium und BCAAs. Erste Ladung Getränk ist ein Smoothie mit Wasser, ab dann fülle ich bei den Labestationen meist Cola mit Wasser nach, Iso - wenn’s mir schmeckt - oder Fruchtsaft mit Wasser; Highlight ist natürlich, wenn’s bei einer Labe mal ein alkoholfreies Bier gibt. Dabei versuche ich nach ~30-45min. das erste Kugerln zu essen. Mein Motto für den Ultra: „wer früh genug isst, kann länger essen". ;-)

Bei der letzten Labe musste ich für die letzten 7km meine Stirnlampe auspacken. Glücklich erreichte ich nach 11h:19min (80km/4100hm) als 4. Frau das Ziel. Hier freute ich mich wirklich schon sehr darauf, ins Quartier zu kommen, zu duschen und vorallem abzupumpen.

Als Abschluss der Trailrunning-Saison stand im Oktober noch der Vienna Trail auf meiner Wettkampf-Agenda. Dieses green event war von Jürgen Smrz und seinem Team wieder top organisiert. Wie letztes Jahr nahm ich am 25gramscoffee Power Trail über ~23km/1100hm teil und war über 3min. schneller als im Vorjahr. Etwas ärgerlich war die zuerst getrübte Freude über einen Stockerplatz. Vom Start weg hatte ich meine Platzierung gut im Blick hatte, kurz matchte ich mich mit der 2. Frau, musste sie dann aber bald ziehen lassen, der 3. Platz war mir aber sicher. Doch als ich ins Ziel einlief, wurde zum einen nur erwähnt: „jetzt kommt die nächste Frau über den Power Trail" und zum anderen empfing mich mein Mann mit den Worten „schade, dass es nicht für’s Stockerl gereicht hat". Nun war ich schon etwas geknickt und verwirrt, vorallem zeigte der Blick in die Ergebnisliste, dass die vermeintlich dritte Frau nur eine knappe Minute früher eingelaufen war. Ganz gewiss hätte ich sie auf der Strecke irgendwann gesehen, wenn sie tatsächlich nicht so weit entfernt gewesen war. Doch als ich bei den Details in der Ergebnisliste nachsah, wurde deutlich, dass sie nicht über alle Zeitmessungspunkte gelaufen war, also offensichtlich abgekürzt hatte. Bei der Gesamt-Siegerehrung war sie nicht anwesend und als sie dann auf meinen Einspruch ausgerufen wurde, gab sie bekannt, vor der letzten Schleife gleich ins Ziel abgebogen zu sein, „weil ich nicht mehr konnte". So sportlich, um es gleich bei der Zeitnehmung zu melden, war sie dann doch nicht gewesen. Zwar war somit alles geklärt, aber trotzdem ärgerlich.

Ob ich mich dieses Jahr noch zu einem Adventlauf motivieren kann, steht aktuell noch in den Sternen. Pläne für 2026 gibt es allerdings auf jeden Fall schon ;-)